Einst Jesuit, jetzt ein Kind Gottes

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Bob Bush

Meine römisch-katholische ‚Karriere‘ begann in einer kleinen ländlichen Ortschaft im Norden Kaliforniens (USA). Das Dorf war so klein, dass nicht jeden Sonntag eine Messe stattfand. So weit es möglich war, kam ein Priester einmal im Monat und las die Messe in einem grossen öffentlichen Raum.

Ich habe einen älteren und einen jüngeren Bruder. Mein Vater hatte an der Universität von Santa Clara studiert, weshalb meine Eltern es für gut befanden, uns in ein römisch-katholisches Internat zu schicken. Ich besuchte diese von Jesuiten geführte Schule während vier Jahren. Vom akademischen Standard her war es eine sehr gute Schule, aber die einzige Art von Religion, die wir dort erlebten, war römisch-katholische Theologie und Tradition ohne Bezug zur Bibel.

Der Wunsch, Gott und Menschen zu dienen

Das Ende meiner Schulzeit nahte, und ich überlegte, was ich aus meinem Leben machen wollte. Ich dachte, als Jesuitenpriester könnte ich auf eine gute Weise Gott dienen und der Menschheit helfen. Das war das Einzige, was ich wusste. Schon während der ‚High School‘, aber auch nachher noch, hatte ich ein grosses Verlangen danach, Gott zu begegnen und ihn kennenzulernen. Ja, ich erinnere mich, wie ich einmal während meines letzten ‚High School‘-Jahres nachts aufs Fussballfeld hinausging, niederkniete, meine Arme zum dunklen Himmel empor streckte und rief: „Gott, Gott, wo bist du?“ Ich hatte wirklich Hunger nach Gott.

Das Jesuitenseminar

Nach meinem ‚High School‘-Abschluss trat ich 1953 in den Jesuitenorden ein. Das erste, was man mir dort sagte, war, dass ich alle Regeln und Vorschriften einhalten müsse, denn das gefalle Gott und das erwarte er von mir. Das Motto war: „Halte die Ordensregel und die Ordensregel wird dich halten.“

Wir lasen viele Lebensberichte von Heiligen, und man brachte mir gleich von Anfang an bei, diese als Vorbilder zu betrachten und ihnen nachzueifern. Dabei wurde mir nicht bewusst, dass diese Menschen deswegen zu Heiligen gemacht worden waren, weil sie der römischkatholischen Kirche gedient hatten. Dreizehn Jahre dauerte das Studium, Fach um Fach, Thema um Thema. Als letztes kam das Studium der Theologie, dessen Höhepunkt die Priesterweihe war. Ich empfing sie im Jahr 1966.

Hunger nach Gott, aber kein Friede

Mein Herz hungerte immer noch nach Gott. Ich war dem Herrn noch nicht begegnet und hatte immer noch keinen Frieden. Im Gegenteil, ich hatte angefangen zu rauchen und war sehr nervös. Oft ging ich in meinem Zimmer auf und ab und rauchte eine Zigarette nach der anderen, so unruhig war ich.

Mit dem Gedanken, auf diese Weise Gott näher zu kommen, begann ich ein Anschlussstudium in Rom. Aber der Hunger meines Herzens blieb. Einmal sprach ich mit einem Priester, der für die Mission in Afrika zuständig war, denn ich befasste mich mit dem Gedanken, als Missionar dorthin zu gehen. Aber dann wurde mir bewusst, dass ich den Menschen dort nur das weitergeben könnte, was ich selbst über die römisch-katholischen Lehren gelernt hatte und was die Kirche anbieten konnte. Und wenn dies alles mich nicht befriedigen konnte, wie sollte es diese Menschen befriedigen?!

Mein Priesterstudium fiel zusammen mit der Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) und endete ein Jahr danach. Als die Dokumente von Rom herauskamen, meinte ich, nun werde alles anders. Es war eine Zeit des Entdeckens. Ich dachte, ich würde nun der Wahrheit zutiefst auf die Spur kommen und diese würde die Welt verändern. Diese Hoffnung trieb mich an. Aber ich konnte keine Veränderungen feststellen, da ja die Lehren des Konzils von Trient immer noch gültig waren. So reiste ich nicht nach Afrika, sondern kehrte nach Kalifornien zurück, wo Gott eine Überraschung für mich bereit hatte.

Leitung einer Gebetsgruppe

Ich hatte in einem Erholungshaus die Messe gelesen, als eine Frau zu mir kam und mich fragte, ob ich eine Gebetsgruppe leiten würde, die in ihrem Haus zusammenkam. Noch nie in meinem Leben hatte ich eine Gebetszusammenkunft geleitet und wusste nicht, wie so etwas ablief. Aber ich sagte mir, dass ich nach meinen vielen Jahren der Ausbildung wohl qualifiziert sein sollte, um es zu tun. So sagte ich zu.

Jeden Donnerstag von 10 Uhr bis zum Mittag trafen sich ein paar Menschen, lasen zusammen nur die Bibel, sangen dem Herrn Loblieder und beteten für die Bedürfnisse der Einzelnen. An dem Morgen, als ich das erste Mal dorthin gehen sollte, war ich sehr unruhig und wünschte, ich hätte nie zugesagt. Ohne jegliche Begeisterung ging ich hin. Aber als der Mittag kam, wäre ich am liebsten gar nicht mehr weggegangen. Die Kraft des Wortes Gottes hatte angefangen, mein Herz und Leben zu berühren.

Überrascht von Gottes Gnade

Die grosse Überraschung, die Gott für mich vorbereitet hatte, geschah so: Eines Abends im August 1970 fuhren wir mit ein paar Leuten von diesem Hausgebetskreis zu einem Freizeitheim. Am Ende seiner Predigt sagte der Redner: „Wenn jemand hier ist, der nach Gott hungert und ihn noch nicht erfahren hat, der aber möchte, dass Gott sein Leben berührt, der soll nach vorne kommen und wir werden für ihn beten.“ In diesem Moment betete ich zu Gott, dass er mich verändern möge. Ich ging nach vorne, wo einige mir die Hände auflegten und für mich beteten. Es war nicht aufgrund irgendwelcher Werke, die sie oder ich getan hätten, sondern es war wirklich allein Gottes Gnade, dass ich von neuem geboren wurde.

In diesem Moment veränderte Gott mein Leben. Jesus und die Bibel wurden mir ganz real und lebendig. „Er hat uns errettet – nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hätten, sondern aufgrund seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt und durch die Erneuerung des Heiligen Geistes“ (Titus 3,5).

Unsere Gebetsgruppe an der ‚High School‘

Wir begannen eine Gebetsgruppe an einer ‚High School‘. Bald nahmen so viele daran teil, dass wir uns in der Turnhalle treffen mussten. Es ging nicht lange, da kamen jeden Freitagabend achthundert bis tausend Menschen. Wir legten viel Wert darauf, Gott zu loben, anzubeten und zu verherrlichen. In dieser Turnhalle gab es weder Heiligenbilder noch sonst etwas ähnliches. Wir hatten ein Buch zur Anleitung, die Bibel.

Ich musste noch vieles lernen. Erst nach vielen Jahren begriff ich, dass ich nicht in der römisch-katholischen Kirche bleiben konnte. Während all dieser Jahre hatte ich immer wieder betont, dass das Heil nur im vollendeten Werk Jesu Christi am Kreuz liegt und nicht in der Säuglingstaufe; dass die Bibel, das Wort Gottes, die einzige Quelle der Autorität ist und dass es kein Fegefeuer gibt, sondern dass wir nach unserem Tod entweder in den Himmel oder in die Hölle kommen.

Hier begann nun der Konflikt: Es zerbrach mir fast das Herz zu sehen, wie die Menschen in bezug auf ihre Errettung auf so falsche und betrügerische Lehren vertrauten. Ich meinte, vielleicht könne Gott mich gebrauchen, um Änderungen in der römisch-katholischen Kirche zu bewirken. Ich traf mich auch zum Gebet mit anderen, die das gleiche hofften. Wir beteten, dass Gott die Kirche verändern möge, so dass wir römisch-katholisch bleiben könnten. Heute sehe ich, dass ein Bleiben in der römisch-katholischen Kirche nur möglich ist, wenn man Kompromisse eingeht.

Vom Heiligen Geist überführt

Nachdem der Heilige Geist mich in vielen Dingen überführt hatte, verstand ich schliesslich, dass ich meinen Herrn betrübe, wenn ich mich ihm nicht vollständig, zu hundert Prozent hingebe und stattdessen Kompromisse eingehe, was Sünde ist. Ich merkte auch, dass die römisch-katholische Kirche sich nicht ändern kann. Wenn sie sich ändern würde, gäbe es keinen Papst mehr, keine Rosenkränze, keine Lehre vom Fegefeuer, keine Priester, keine Messe, usw. Nach siebzehn Jahren Gehirnwäsche wusch und reinigte jetzt der Heilige Geist mein Gehirn. Was in diesem Lebensabschnitt mit mir geschah, wird in Römer 12,1-2 beschrieben: „Ich ermahne euch nun, ihr Brüder, angesichts der Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber darbringt als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer: das sei euer vernünftiger Gottesdienst! Und passt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern lasst euch in eurem Wesen verändern durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.“

Forschung in Indien

Zu dieser Zeit lernte ich einen anderen Priester kennen, der die gleichen Dinge predigte wie ich. (Unterdessen hat auch er die Kirche Roms verlassen.) Er verbrachte die eine Hälfte des Jahres in Indien und die andere in den Vereinigten Staaten. Er hiess Victor Affonso und war auch ein Jesuit. Ich sagte ihm, es müsste wunderschön sein, in Indien als Missionar zu arbeiten. Dies konnte ich 1986 dann auch während sechs Monaten tun. Einen Monat davon waren wir zusammen mit einer Gruppe von Menschen, die die römisch-katholische Lehre im Licht der Bibel untersuchten. Wir waren fest entschlossen, dem zu folgen, was die Bibel sagt; falls die römisch-katholischen Lehren ihr widersprechen sollten, wollten wir sie verwerfen.

Wir erkannten, dass Jesus sagte: „Kommt zu mir“ und dass wir in den Evangelien aufgerufen werden, im Namen Jesu zum Vater zu beten, nie aber zu einem Heiligen oder zu Maria. Die ersten Christen beteten nicht zu Stephanus, der sehr früh in der Geschichte der Gemeinde den Märtyrertod starb, auch nicht zu Jakobus, der ebenfalls sehr früh umgebracht wurde. Warum sollten sie auch, war doch der auferstandene Jesus bei ihnen! Er hatte gesagt: „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte“ (Matthäus 18,20). Sie beteten zu Jesus, sie beteten zum Vater; sie wurden vom Heiligen Geist geführt und gehorchten den Geboten Gottes.

Dort in Indien entdeckten wir auch, dass der römisch-katholische Katechismus die Zehn Gebote, wie sie in der Bibel stehen,  verändert hat. Das erste Gebot im römisch-katholischen Katechismus ist gleich wie in der Bibel. Das zweite Gebot im Katechismus lautet: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.“ Das ist eine völlige Abänderung des biblischen Textes. Das dritte Gebot wurde an die zweite Stelle vorverlegt und das ursprüngliche zweite Gebot, wie wir es in der Bibel finden, wurde gestrichen! Praktisch alle Versionen des römisch-katholischen Katechismus lassen das zweite der biblischen zehn Gebote weg. Nehmen wir als Beispiel die Antwort auf Frage 195 des ‚New Baltimore Catechism‘: „Die Gebote Gottes sind diese zehn: (1) Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine fremden Götter neben mir haben. (2) Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen, usw.“

[Ebenso auf Deutsch im „Katechismus der Katholischen Kirche“, Oldenbourg/Paulusverlag, 1993; oder in „Der römische Katechismus“ nach dem Beschluss des Konzils von Trient, Petrus-Verlag, 1970; d.Ü.]

In der Bibel lautet das zweite Gebot: „Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was in den Wassern, unter der Erde ist. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied derer, die mich hassen, der aber Gnade erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.“ (2.Mose 20,4-6). Gott verbietet uns, vor Statuen niederzufallen oder ihnen zu dienen, aber es gibt Fotos, auf denen der Papst vor Statuen niederkniet und sie küsst!

Wir waren sehr beunruhigt, als wir merkten, dass dieses Gebot im Katechismus fehlt. Die Frage war natürlich, wie der Katechismus trotzdem auf zehn Gebote kommt. Nun, das letzte Gebot (in der Bibel das Zehnte) wurde in zwei aufgeteilt: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib“ wird im Katechismus als neuntes Gebot aufgeführt, der zweite Teil dieses Verses, in dem es um das Begehren der Güter des Nächsten geht, als zehntes. Dies ist eine starke Verbiegung der Bibel. So entdeckte ich immer mehr Dogmen und Lehraussagen, die der Bibel direkt widersprachen.

Maria und die Messe

Wir untersuchten auch die Lehre von der unbefleckten Empfängnis Marias. Diese sagt aus, dass Maria ohne Sünde empfangen wurde. Im ersten Augenblick ihrer Empfängnis sei sie von jedem Fehl der Erbsünde rein bewahrt worden. Dies widerspricht der biblischen Aussage in Römer 3,23: „denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit Gottes.“ Hier hatten wir also eine Glaubenslehre, die als Tradition weitergereicht und später als unfehlbar definiert worden war, die der Bibel widerspricht.

Dann stiessen wir auf einen der heikelsten Bereiche. Es ging um das Messopfer. Die offizielle Lehre der römisch-katholischen Kirche besagt, dass die Messe eine Fortsetzung des Opfers von Golgatha sei. Das Konzil von Trient definierte:

„Weil in diesem göttlichen Opfer, das in der Messe gefeiert wird, derselbe Christus enthalten ist und unblutig geopfert wird, der sich selbst am Kreuzaltar einmal blutig dargebracht hat, so lehrt die heilige Kirchenversammlung: Dieses Opfer ist ein wirkliches Sühneopfer … Denn es ist ein und dieselbe Opfergabe, und es ist derselbe, der jetzt durch den Dienst der Priester opfert und der sich selbst damals am Kreuz darbrachte, nur die Art der Darbringung ist verschieden.“ [Neuner-Roos: „Der Glaube der Kirche“, Nr. 599; d.Ü.]

Nun könnte jemand einwenden, das Konzil von Trient sei nicht mehr gültig, es habe sich vieles geändert seither. Aber Kardinal Ratzinger, der Präfekt der Glaubenskongregation schrieb in einem Buch mit dem Titel ‚Der Ratzinger Report‘: „Es ist unmöglich, für das Konzil von Trient und das erste vatikanische Konzil, aber gegen das zweite vatikanische Konzil zu sein. Wer das Zweite Vatikanische Konzil ablehnt, lehnt die Autorität ab, welche die beiden vorderen Konzile stützt und löst sie so von ihrem Fundament.“

Auch der Katechismus lehrt, dass die Messe das gleiche Opfer sei wie dasjenige von Golgatha. Z.B. sagt der neue Katechismus von Baltimore (‚New Baltimore Catechism‘): „Das Messopfer ist das gleiche Opfer wie das Opfer am Kreuz, denn bei beiden ist die gleiche Opfergabe und der gleiche primäre Opferpriester beteiligt: Christus.“ [vgl.

„Katechismus der Katholischen Kirche“, Oldenbourg, 1993, Nr. 1367; d.Ü.].

In Hebräer 10,18 dagegen steht: „Wo aber Vergebung für diese ist, da gibt es kein Opfer mehr für Sünde.“ Die Heilige Schrift drückt sich unmissverständlich aus. Achtmal in vier Kapiteln des Hebräerbriefes (von Kapitel 7 an) steht der Ausdruck „ein für allemal“; es gab ein Opfer für die Sünden, eines für immer.

Das vollbrachte Opfer

Jeder, der einmal eine römisch-katholische Messfeier besucht hat, wird sich an das Gebet erinnern, das der Priester spricht: „Betet, Brüder, dass Gott, der allmächtige Vater, unser Opfer annehme.“ Das ist eine sehr ernstgemeinte Bitte. Die Gemeinde antwortet mit den gleichen Worten und bittet Gott, das Opfer anzunehmen. Aber dies steht im Widerspruch zum Wort Gottes, welches uns sagt, dass das Opfer bereits angenommen worden ist. Als Jesus am Kreuz hing, sprach er:

„Es ist vollbracht!“ (Johannes 19,30) und wir wissen, dass alles vollbracht, vollendet, völlig erfüllt war, denn der Vater nahm das Opfer an, hat Jesus auferweckt und ihn zu seiner Rechten erhöht. Die frohe Botschaft, die wir verkünden, ist die, dass Jesus von den Toten auferstanden ist, dass sein Opfer vollständig ist und dass er für die Sünden bezahlt hat. Wenn wir das Werk Jesu durch die Gnade Gottes als das für unsere Sünden ein für allemal vollbrachte Opfer erkennen, sind wir gerettet und haben ewiges Leben.

Ein Denkmal dient der Erinnerung an etwas, das jemand für uns getan hat. Jesus sagte: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ So muss jeder, der das liest, und jeder Priester, der die Messe zelebriert, ernsthaft über den Irrtum nachdenken, der in dem Gebet zum Ausdruck kommt:

„Brüder und Schwestern, lasst uns beten, dass unser Opfer angenommen werden möge.“ Das Opfer wurde schon angenommen. Wir sollen uns bei der Abendmahlsfeier an das erinnern, was Jesus getan hat. Dem Opfer, das Jesus am Kreuz dargebracht hat, kann man weder etwas hinzufügen, noch es wiederholen.

Kann die Messe Sündenvergebung bewirken?

Die römisch-katholische Kirche lehrt, dass die Messe ein Sühneopfer sei, das die Sünden der Lebenden und der Toten wegnehmen könne. Obwohl einige behaupten, die Kirche glaube an manchen Orten nicht mehr an das Fegefeuer, wird bis heute praktisch jede Messe zugunsten eines Verstorbenen gelesen, im Glauben, dass durch die Wirkung der Messe seine Zeit im Fegefeuer verkürzt wird. Aus diesem Grund liest man Messen für Verstorbene. Die Bibel macht aber klar, dass nach dem Tod eines Menschen direkt das Gericht kommt: „Es ist den Menschen bestimmt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht“ (Hebräer 9,27). Wenn jemand als Erretteter stirbt, kommt er direkt in den Himmel; wer in seinen Sünden verharrt, kommt in die Hölle. Es gibt nichts, was uns den Wechsel von der Hölle in den Himmel ermöglichen könnte. Die römisch-katholische Kirche glaubt, dass die Messe eine sühnende Wirkung habe und deshalb die Zeit im Fegefeuer verkürzen könne.

Aber alles Leiden und alle Sühnung, die je für Sünden getan wurden, hat Jesus am Kreuz vollbracht. Diese Wahrheit müssen wir annehmen. Wir müssen von neuem geboren werden und ewiges Leben erhalten, solange wir noch am Leben sind. Es gibt keinen biblischen Anhaltspunkt für die Meinung, dass wir nach dem Tod noch irgendeinen Wechsel herbeiführen können.

Gerecht vor Gott dastehen

Als nächstes fingen wir an zu untersuchen, was die römisch-katholische Kirche über Errettung lehrt. Eine ihrer Lehren besagt, dass wir durch die Säuglingstaufe gerettet werden können. Im heute noch gültigen „Codex des kanonischen Rechtes“ steht: „Die Taufe ist die Eingangspforte zu den Sakramenten; ihr tatsächlicher Empfang oder wenigstens das Verlangen danach ist zum Heil notwendig; durch sie werden die Menschen von den Sünden befreit, zu Kindern Gottes neu geschaffen und, durch ein untilgbares Prägemal Christus gleichgestaltet, der Kirche eingegliedert; sie wird nur durch Waschung mit wirklichem Wasser in Verbindung mit der gebotenen Form der Taufworte gültig gespendet“ (Can. 849). Damit wird gelehrt, dass ein Säugling bei der Taufe errettet wird und ewiges Leben bekommt durch die Kraft der Taufe.

Aber das ist nicht wahr. Jesus hat nie etwas dergleichen gesagt, auch in der ganzen Bibel steht nirgends etwas davon. Es gibt keinen Limbus. Jesus sagte: „Lasst die Kinder zu mir kommen.“ Die Bibel bezeugt einheitlich, dass wir errettet werden, wenn wir der Botschaft Glauben schenken, dass Jesus Christus den Preis für unsere Sünde vollständig bezahlt hat und so die Gerechtigkeit, die er vor Gott hat, uns zugeschrieben wird. „Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden“ (2.Korinther 5,21).

Christi Werk oder unsere Werke?

Die römisch-katholische Kirche geht noch weiter, indem sie sagt, um errettet zu werden, müsse man ihre Gesetze, Regeln und Verordnungen halten. Wer diese Gesetze verletzt (z.B. bezüglich Geburtenkontrolle, Fasten oder allsonntäglichem Messebesuch), begeht eine Sünde. Im bis heute gültigen kanonischen Gesetz legt die römisch-katholische Kirche fest, dass zur Vergebung schwerer Sünden die Beichte vor einem Priester unbedingt nötig sei: „Das persönliche und vollständige Bekenntnis und die Absolution bilden den einzigen ordentlichen Weg, auf dem ein Gläubiger, der sich einer schweren Sünde bewusst ist, mit Gott und der Kirche versöhnt wird…“ („Codex des kanonischen Rechtes“, Can. 960). Die römisch-katholische Kirche sagt, dies sei der Weg, der ganz normale Weg zur Sündenvergebung.

Die Bibel aber sagt, dass wir errettet werden, wenn wir von Herzen Busse tun und an das vollbrachte Opfer Christi am Kreuz glauben. Wir sind aus Gnade und nicht aufgrund von Werken errettet. Die römisch-katholische Kirche fügt Werke hinzu, die man tun muss, um errettet zu werden, wohingegen die Bibel eindeutig klarmacht, dass wir allein aus Gnade errettet werden und nicht aus Werken.

Errettung ist ein unverdientes Geschenk, unabhängig von irgendwelchen Anstrengungen unsererseits. „Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch den Glauben, und das nicht aus euch – Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme“ (Epheser 2,8-9). Dies bestätigt auch Römer 11,6: „Wenn aber aus Gnade, so ist es nicht mehr um der Werke willen, sonst ist die Gnade nicht mehr Gnade; wenn aber um der Werke willen, so ist es nicht mehr Gnade, sonst ist das Werk nicht mehr Werk.“

Rückkehr aus Indien und Austritt aus der Kirche

Während meines Indienaufenthalts untersuchten wir diese und viele andere Lehren, und als meine Rückreise nahte, wusste ich, dass ich nicht länger ein Vertreter der römisch-katholischen Kirche sein konnte. Ich begann zu verstehen, dass die römisch-katholischen Dogmen, welche der Heiligen Schrift widersprechen, so tiefe Wurzeln haben, dass sie nicht verändert werden können.

Auch die katholisch-charismatische Bewegung ist zu den grundlegenden Dogmen und Lehren Roms zurückgekehrt, erhält sie aufrecht und beharrt auf ihnen, so dass die ganze Bewegung völlig geschwächt worden ist. Die katholisch-charismatische Bewegung ist nicht ein frischer Wind, der in der Kirche weht und durch die Rückkehr zur Bibel alles verändert. Sie kann nicht zur biblischen Lehre zurückkehren, die Kirche wird ihr dies nicht erlauben. Die römisch-katholische Kirche wird immer darauf bestehen, dass das Messopfer die Fortsetzung des Opfers Jesu sei. Sie wird auch nie davon abweichen, dass Säuglinge durch die Taufe wiedergeboren werden und ewiges Leben erhalten, ebensowenig wird sie die verschiedenen Pflichten aufheben, die sie ihren Mitgliedern auferlegt.

Ich habe eine aufrichtige Liebe für die Katholiken und möchte ihnen helfen. Ich möchte ihnen helfen, die Freiheit der Errettung und das Leben und den Segen zu finden, die wir bekommen, wenn wir der Schrift folgen. Ich bin gegen keinen Katholiken oder römisch-katholischen Priester negativ eingestellt; sie sind Gefangene ihrer Dogmen und Lehrsätze. Gott selber will sie davon frei machen. Jesus sagte:

„Denn ihr verlasst das Gebot Gottes und haltet die Überlieferung der Menschen ein…“ (Markus 7,8). Genau das ist das Problem, vor dem wir stehen. Diese Traditionen zerstören das Wort Gottes, denn sie widersprechen seiner Wahrheit.

Als ich von Indien nach Hause zurückkehrte, wusste ich, dass mir die grösste Veränderung meines Lebens bevorstand. Es war eine Zeit grosser Not für mich, denn ich hatte der römisch-katholischen Kirche mein ganzes Vertrauen geschenkt und ihr während so vieler Jahre gedient. Aber ich wusste, dass ich die Kirche Roms verlassen musste, sobald ich von Indien zurück wäre.

Es war 1987, als ich die römisch-katholische Kirche offiziell verliess. Ich schrieb ein Rücktrittsschreiben, nahm brieflich mit meinen ehemaligen Vorgesetzten Kontakt auf und schrieb noch vor meinem Austritt nach Rom. Ich wählte dieses Vorgehen, weil ich allen Zeugnis geben und die Gründe meines Austritts erklären wollte. Ich wollte der Bibel folgen.

Meine Eltern und meine Frau

Ich litt sehr während dieser Zeit. Ich kehrte zu meinen Eltern zurück, welche beide über achtzig Jahre alt waren. Eines Abends hatten wir ein ernstes Gespräch, bei dem ich ihnen sagte, was ich vorhatte. Ich erzählte ihnen, wie ich durch Gottes Gnade errettet worden war und dass ich daran sei, die römisch-katholische Kirche aus lehrmässigen Gründen zu verlassen. Nach einer langen Pause sagte mein Vater ganz bedächtig: „Bob, weisst du, deine Mutter und ich, wir hegen den gleichen Gedanken.“ Sie gingen noch einmal zur Messe, kamen nach Hause und sagten: „Hast du gewusst, dass das ein Altar ist, da vorne in der Kirche? Ein Altar ist ein Ort, wo Opfer gebracht werden.“ Mein Vater fuhr fort: „Ich sehe nun ganz klar, dass wir kein weiteres Opfer mehr brauchen.“

Meine Eltern begannen beide, die Bibel zu lesen und danach zu leben. Im Jahr 1989 starb meine Mutter beim Bibellesen, mit dem Frieden und der Gewissheit, ewiges Leben zu haben und für immer beim Herrn zu sein. Mein Vater starb im Jahr 1993 mit einem Gebet auf den Lippen für die, die er zurückliess. Er hatte sein eigenes Zeugnis von der Gnade Gottes aufgeschrieben und ungeachtet seines hohen Alters seinen Glauben bezeugt, auch noch im Altersheim. Noch vor dem Tod meines Vaters, am 6. Juni 1992 hatte Gott mich mit dem Grössten beschenkt, das er einem Menschen ausser der Errettung geben kann: mit meiner wunderbaren Frau, Joan.

Heute bin ich ausgebildeter Prediger, stehe in Gemeinschaft mit anderen, die den biblischen Glauben lehren und verkündige die frohe Botschaft von Gottes Gnade allein durch den Tod des Herrn Jesus


Sofort nachdem er das Priesteramt und die katholische Kirche verlassen hatte, begann Bob Bush in den Vereinigten Staaten sowie in Zentralund Südamerika zu evangelisieren. 1992 erlitt er nach einer Rückenoperation eine schwere Lähmung. Wie er diese grosse körperliche Einschränkung ertrug, ist ein Zeugnis für die Gnade Gottes. Als Radioevangelist verkündigt er auch heute noch die frohe Botschaft von der Erlösung. Er lebt in Oakdale, Kalifornien, USA. Seine e-mail Adresse lautet: notbyworks@sbcglobal.net

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