Eine unwiderstehliche Berufung

Cipriano Valdes Jaimes

Mein Geburtsort ist Michoacan in Mexiko und meine Familie bestand aus ernsthaften, praktizierenden Katholiken. Meine ersten Schuljahre verbrachte ich unter der aufmerksamen Obhut von Menschen, die mir beibrachten, regelmässig zur Beichte und täglich zur Messe zu gehen. Im Alter von 12 Jahren trat ich in das Diözesanseminar von Chilapa, im Staat Guerrero, ein. Während fünf langen Jahren lernte ich anhand von Cicero und Vergil Latein. Drei Jahre lang wurde mein Kopf mit der Philosophie griechischer Schriftsteller gefüllt. In den vier nächsten Jahren, die dem Studium der Theologie gewidmet waren, brachte man mir mit grosser Sorgfalt alle Dogmen der römischen Kirche bei. Endlich, am 18. Oktober 1951, am Tag des Heiligen Evangelisten Lukas, wurde ich zum Priester geweiht.

Aufrichtig, aber betrogen

An diesem Tag erhielt ich durch die Handauflegung des Bischofs die unglaubliche, trügerische, falsche Vollmacht, mit der die römisch-katholische Kirche einige Menschen ausstattet, um andere irrezuführen. Sie gewährte mir die Autorität, Sünden zu vergeben, sowohl innerhalb des Beichtstuhls

– welch schrecklicher Ort! – als auch ausserhalb. An diesem Tag erhielt ich auch die Vollmacht, Christus nach Lust und Laune immer wieder auf einem Altar zu op-

fern. Es war mir nun auch möglich, mittels eines erlogenen, lukrativen Rituals Seelen aus dem Fegefeuer zu befreien, einem Ort, den die römische Kirche erfunden hat. Die Kirche lehrt unanfechtbar: bevor Menschen in den Himmel kommen, müssen ihre Seelen durch diesen Feuersee gehen. Wie weit ist diese Lehre von der Wahrheit entfernt!

Welch ein Irrtum! Und doch glaubte ich das nach vier Jahren sorgfältigen und gewissenhaften Studiums der Dogmatik und Sittenlehre. Und deshalb nahm ich es von ganzem Herzen ernst, als man mir sagte, ich hätte jetzt die Vollmacht, die Sünden meiner Mitmenschen zu vergeben. Ich wusste nicht, dass die Sündenvergebung nur Gott zusteht und nicht auf Menschen übertragen werden kann.

Die Heilige Schrift sagt: „Ich, ich bin es, der deine Übertretungen tilgt um meinetwillen; und deiner Sünden will ich nicht mehr gedenken“ (Jesaja 43,25). „Wer kann Sünden vergeben als nur Gott allein?“ (Markus 2,7).

Zwanzig Jahre lang stand ich im römisch-katholischen Priesterdienst und führte dieses lächerliche, schändliche, anti-biblische Ritual durch. Jeden Tag hörte ich mir die Schwachheiten der Gesellschaft an; auch Soldaten, Arbeiter und Politiker beichteten bei mir. Ich war auch geistlicher Leiter einiger Schulen. Ein Jahr hatte ich als Vikar in einer Pfarrei gedient, die anderen 19 Jahre führte ich selber eine Pfarrei, wo ich auch Vikare und Pastoralassistenten hatte, die mir halfen, meine absurden Pflichten auszuführen.

Christus – ein für allemal geopfert

Damit ich das Opfer Christi unblutig auf dem Altar nachvollziehen konnte, gab man mir die Vollmacht, durch das Aussprechen der Konsekrationsworte das Brot in seinen Leib und den Wein in sein Blut zu verwandeln. Mit Freude und grosser Ehrfurcht nahm ich diese Vollmacht entgegen. Niemand anderes als der Schöpfer des Universums, der ewige Gott, der für uns Mensch geworden war, sollte sich in meinen Händen befinden. Ist es wirklich möglich, dass ich zwanzig Jahre lang Christus immer und immer wieder opferte? An Sonntagen tat ich das sogar bis zu vier Mal! Welch ein schrecklicher, schändlicher Hohn war dies von mir und allen, die an dem teilnehmen, was die römischkatholische Kirche Messe nennt.

Nie kann ein Mensch das wiederholen, was Jesus Christus am Kreuz getan hat. Eine solche Idee ist eine Erfindung des Teufels. Die Bibel sagt in Römer 6,9: „… wir wissen, dass Christus, aus den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt.“ Wie könnte dann ein Priester ihn dazu bringen, einen unblutigen Tod zu sterben? In Hebräer 9,22 steht: „Ohne Blutvergiessen geschieht keine Vergebung.“ Was nützt also die Messe?

Kann sie Seelen rein machen und aus dem Fegefeuer befreien? Die Bibel lehrt: „… das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde“ (1.Johannesbrief 1,7).

Gott ist Geist

Die römisch-katholische Kirche lehrt per Dogma, dass in jedem einzelnen Teilchen des konsekrierten Brotes und Weins der Leib und das Blut Jesu Christi vollständig gegenwärtig sei. Welche Unwahrheit! Christus sagte: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte“ (Matthäus 18,20). Aber die gotteslästerliche Lüge und der Betrug erreichen in dem Moment ihren Höhepunkt, wenn der Priester nach der sogenannten Wandlung das Brot und den Kelch emporhebt und die Messbesucher sich neigen und an die Brust schlagen oder zum Himmel emporblicken und ausrufen: „Mein Herr und mein Gott.“ Das ist Götzendienst, Anbetung von geschaffener Materie. Gott ist nicht ein Stück Brot. „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten“ (Johannes 4,24).

Tradition kontra Wahrheit

Aber ich glaubte, lehrte, predigte und verteidigte die Glaubenslehren Roms, ob sie nun mit der Bibel übereinstimmten oder nicht. Für mich stand zu dieser Zeit die Kirche mit ihren Konzilien und Traditionen über der Heiligen Schrift. Die Stimme des Papstes hatte mehr Autorität als die Stimme des Heiligen Geistes. War die Kirche Roms nicht die einzige Kirche, der die Menschen glauben und gehorchen mussten? Deshalb war ich, wie einst Paulus, ein aktiver Verfolger der Gemeinde Gottes (vgl. Galater 1,13). An ihren eigenen Gottesdienststätten widerstand ich evangelikalen Predigern – Protestanten, wie sie offiziell in der römisch-katholischen Kirche genannt wurden. Ich beleidigte und demütigte sie und zwang sie, das Gebiet der jeweiligen Pfarrei zu verlassen, in der ich als Priester Herr und Meister war.

Ich weiss nicht, wieviel von ihrer Literatur ich zerstörte, aber ich erinnere mich an ein besonders beschämendes Ereignis: Mit einigen anderen, angeblich gottesfürchtigen Männern ging ich auf eine junge Christin los, die einer Gruppe von aufmerksamen Zuhörern das Wort Gottes predigte. Mit Gewalt drängte ich mich durch die Menge und begann, sie und ihre Arbeit als Dienerin Gottes lächerlich zu machen und sie zu demütigen. Die umstehenden Leute bedrohte ich, dass sie ohne die Sakramente der heiligen Mutter Kirche sterben müssten. Mit der Begründung, dass die Bibeln, die eben verteilt worden waren, gefälscht seien, befahl ich meinen Begleitern, sie alle einzusammeln, denn sie trugen nicht den Stempel der Zustimmung durch die wahre Kirche, das ‚Nihil obstat‘ oder die ‚Imprimatur‘. Sechsundsechzig frischgedruckte Bibeln wurden eingesammelt und ich zerriss sie mit meinen eigenen Händen und warf sie ins Feuer. Aber ich tat all das aus Unwissenheit. Mein Retter sagt: „Wer mich verwirft und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am letzten Tag“ (Johannes 12,48).

Von Gott gerufen

„Als es aber Gott, der mich … durch seine Gnade berufen hat, wohlgefiel…“, so bezeugte Paulus (Galater 1,15), und so rief Gott auch mich, als ich seine Stimme in mir hörte: „Cipriano, du gehörst nicht hierher. Verlass dies alles.“ Ich gehorchte und ging fort. Aber der Bischof zitierte mich zu sich, worauf ich mit ein paar abgedroschenen Ausreden in meine Pfarrei zurückkehrte. Aber die Stimme des Herrn liess nicht locker. Während ich Beichten abhörte, sagte sie: „Höre dir nicht die Schwachheiten der anderen an, du kannst sie ja doch nicht vergeben.“ Auch während ich Messen las oder Kinder taufte, unterbrach mich seine Stimme.

Ein zweites Mal verliess ich meine Stelle und ein zweites Mal rief mich der Bischof zurück. Aber immer noch liess Gottes unwiderstehliche Stimme mich nicht in Ruhe. Schliesslich konnte ich es nicht länger aushalten. Ich ging zum Bischof und teilte ihm mit, dass ich die Kirche verlassen werde. Er antwortete: „Was sagst du? Du willst die Kirche verlassen? Wenn dir diese Pfarrei nicht gefällt, besorge ich dir eine bessere.“ „Nein,“ antwortete ich, „was ich sagen will, ist, dass ich mit der Kirche nichts mehr zu tun haben will.“ Da fragte er mich, was ich denn tun und wohin ich denn gehen wolle. Meine einfache Antwort war: „Ich weiss es nicht. Ich weiss nur, dass ich gehen muss.“ Ganz irritiert stand der Bischof auf und holte mir einige Formulare, die ich ausfüllen musste, um beim Papst die Annullierung der Priesterweihe zu beantragen.

Nicht so sehr ich als Person war die Ursache seiner Empörung, sondern die Tatsache, dass er einen Mann mit 18 Jahren Ausbildung und 20 Jahren Berufserfahrung verlor. Ich wurde nicht vom Priesterdienst in der römischen Kirche ausgeschlossen; ich trat aus, weil der Herr mich rief.

Allein durch das Werk Christi errettet

Einen Monat später befand ich mich in der Stadt Tijuana, Baja California, Mexiko. Dort hatte Gott einen Missionar, der unter der Führung des Heiligen Geistes lebte, zugerüstet, mir Christus als den einzigen Erretter zu verkündigen. Endlich war ich imstande, den Bibelvers zu verstehen, in dem steht: „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat“ (Johannes 3,16). Ich setzte mein Vertrauen auf Christus und bat ihn, mein Erretter und der Herr meines Lebens zu sein. Deshalb weiss ich, dass ich ewiges Leben habe. Ein Mensch kommt nicht wegen seiner Werke, Opfer oder Tugenden in den Himmel, so gross diese auch sein mögen. Der einzige Weg zum Vater geht über die unendlichen Verdienste Jesu Christi. Keine Zeremonie, kein Ritual, kein Sakrament kann einen Menschen retten.

Ich habe diese Wahrheiten nicht niedergeschrieben, um dich oder irgend jemanden zu kränken. Mein Herz und Leben ist von Liebe erfüllt, seit ich ein wiedergeborener Christ bin. Erkenne die Tatsache an, dass du ein Sünder bist, und bekenne Gott deine Sünden direkt, wie ich es auch tat. Bitte ihn um Vergebung für deine Sünden. Bitte Christus, dich zu retten und zu führen und er wird dir ewiges Leben geben.

Heute predige ich das Evangelium in Kirchen, auf öffentlichen Plätzen, in Gefängnissen und Privathäusern.


Cipriano Valdes Jaimes dient in seiner Muttersprache in Mittelund Südamerika, sowie in verschiedenen Gebieten der USA. Er arbeitete mit Bartholomew Brewer zusammen in der ,Internationalen Mission unter Katholiken’. Er lebt in den USA.

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